von dingobingo » Freitag 27. November 2009, 00:16
Nein, das Paradies wird man wohl nicht mehr hinter diesen Pforten finden. Auch nicht in den Sommermonaten, wenn sie jeden Tag geöffnet sind und hier solcher Ansturm an erlösungsbedürftigen Menschen herrscht, als ob tatsachlich der Garten Eden auf sie warten würde. Aus aller Welt pilgern die Schaulustigen heran, die Lichtsüchtigen. Aus Japan und Amerika vor allem, denn seit je hat er dort seine größten Liebhaber. Schon vor hundert Jahren kamen amerikanische Millionäre im Stetson und japanische Fürstinnen im Kimono, um hinter diesen Pforten nach einer besseren Welt zu suchen. Der Name des verschlafenen Dorfes, in dem sich dieses Paradies befindet, ist inzwischen zur Legende geworden.
Vor hundert Jahren fanden sich nur geladene Gäste ein, die hier viel Geld ließen, um die begehrten, schon damals sündhaft teuren Produkten, die sie hier erstanden, wie köstliche Trophäen in ihre Heimat verschiffen zu lassen. Heute werden dem Besucher fieberhaft Postkarten und Kunstdrucke der hier entstandenen furiosen Werke verkauft. Denn ein besseres Gegengift gegen des Lichtmangel, gegen das grassierende Winterdunkel, der jedes Jahr über die nördliche Welt hereinbricht, gibt es nicht. Es müssen jedes Jahr Millionen sein. Was vor hundert Jahren ein elitäres Naturparadies war, ist heute eine Massenattraktion.
Der Schöpfer dieser Antidepressiva war ein Lichtjäger und Lichtfanger, ein begnadeter Sonnenanbeter, seine Kreationen machen glücklich, und er war schon zu Lebzeiten ein Unsterblicher, der in seinem hortus conclusus, abgekoppelt von der Welt, zu neuen Ufern aufbrach und ein neues Sehen etablierte. Eine Welt, die unsere Wunschträume, unsere Vorstellungen von Frieden und Glück, von einem sonnendurchfluteten Dasein aufnahm und festhielt. Dieser Mann hat Sehnsuchtsorte entworfen, hell, heiter und flüchtig zugleich.
Wer war's?
Wo Iiegt sein Garten Eden?